




Rötel, bereits Mitte des 15. Jahrhunderts als Malwerkstoff bevorzugt, wurde in den letzten Jahren für künstlerische Zwecke wiederentdeckt. Charakteristisch für Rötel ist die durch den hohen Eisenoxidgehalt bedingte, warme rötliche Farbe sowie die natürliche Fettigkeit. Die speziellen Maltechniken mit Rötel können in Kursen erlernt werden.
Im Sankt Wendeler Land wurde er Rötel im Dreieck Schaumberg, Hofeld-Mauschbach und besonders in Oberthal im Mittelalter an zahlreichen Stellen abgebaut. Rötel ist ein Toneisenstein, der während des Perms vor ca. 250 Millionen Jahren abgelagert wurde. Nur drei Fundstellen dieses Steins sind auf der Welt bekannt. Er kommt in Nestern vor und wurde im Tagebau abgetragen. Der Abbau geschah überwiegend im Winter, im Sommer machten sich die Familien mit Kind und Kegel in Eselskarren auf den Weg und verkauften den Stein. Die „Rötelkrämer“ kamen dadurch bis zur spanischen Grenze, nach Ostpreußen und an die Nordseehäfen. Das Material war sehr beliebt für den Schiffsbau, da es mit Öl gemischt, als Abdichtungsmaterial für die hölzernen Schiffe diente. Ebenso fand Rötel Verwendung beim Bestreichen von Häusern, Türen und Fenstern. Selbst als Heilmittel, vermischt mit Honig, wurde der Stein verwandt. Pünktlich am zweiten Wochenende im September kehrten die Rötelkrämer in die Heimat zurück und feierten die „Rötelkrämerkirmes“, die sich bis heute erhalten hat. Beliebt war Rötel auch bei Künstlern: Leonardo da Vinci malte sein berühmtes Selbstbildnis mit Rötel und er erstellte die Vorzeichnungen in der Sixtinischen Kapelle mit diesem Material. Weitere große Maler, die Rötel als Zeichenmaterial nutzten, waren: Michelangelo, Raffael und Cennini sowie der niederländische Maler Rubens.
Gisela Schumann
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